Nationalhymne

San Sombrero
Land & Leute
Geschichte & Politik

Man weiß, dass San Sombrèro vor Ankunft der Spanier von verschiedenen indianischen Volksgruppen besiedelt war, darunter die nomadischen Siboney, die Jäger und Sammler waren, die Küstenbewohner Taino, die sich von Fisch und Meeresfrüchten ernährten, die Puorcina, die einfache Landwirtschaft betrieben, und die vorherrschende Gruppe Guanajaxo, ein Nomadenstamm, der umherzog und bei allen anderen Stämmen plünderte.

Das älteste bekannte Volk lebte etwa fünfhundert Jahre früher: Die Bollivquar waren wilde Krieger, die ihren Stamm als komplexe, hoch entwickelte Gesellschaft betrachteten - eine Ansicht, die mit der Tatsache kollidierte, dass sie niemals wirklich lernten, wie man Feuer macht, Abwassersysteme baut oder Aerobic betreibt.

© Freda Hirsh

Viele Bollivquar sind bis heute starke Raucher, wie dieser Teenager, hier mit dem typischen Hut, dem sombrefuego, zu sehen, der gleichzeitig als Aschenbecher dient.

Sie lernten jedoch, wie man cohiba (Tabak) anbaut, der zum Hauptbestandteil ihrer Nahrung wurde, was vielleicht ihre ungewöhnliche Kleinwüchsigkeit erklärt.

BUCHTIPP!

Die alten Bollivquar des Anthropologen Robert J. Huston gilt als Standardwerk über diesen faszinierenden Stamm. Die erste Hälfte behandelt chronologisch die Geschichte des Eingeborenenvolkes und erörtert verschiedene Aspekte seiner Kultur. Die zweite Hälfte, die von Professor Hustons Beziehung zu einer 16-jährigen Häuptlingstochter berichtet, hat zwar weniger akademische Wertschätzung erfahren, soll aber demnächst für das amerikanische Fernsehen

Im Norden San Sombrèros lebte ein weiterer Stamm, die Ciboneque, die vermutlich irgendwann im 8. Jahrhundert aus dem Orinoco-Becken einwanderten. Die Ciboneque waren größtenteils Jäger und Sammler, auch wenn sich einige später zu Sammlern und Jägern entwickelten, während eine kleine Untergruppe keins von beiden wurde, sondern lieber raubte und plünderte.

Die Ciboneque erreichten ihren künstlerischen, wissenschaftlichen und architektonischen Höhepunkt um 1000 nach Christus. Ihr Niedergang fiel zeitlich ungefähr mit der Erfindung der Hängematte zusammen.

Weitere Informationen zur faszinierend komplizierten Vor- und Frühgeschichte San Sombrèros erhalten Sie im Reiseführer im Kapitel "First Class Hotels: Tipps bei Schlafstörungen".

© Working Dog

 

Entdecker, Eroberer und Piraten

Für die indigenen Völker San Sombrèros änderte sich das Leben ein für allemal, als Jorge Paradoure, der glaubte, einen neuen Seeweg nach Indien entdeckt zu haben, im September 1502 auf einer kleinen Insel vor der Ostküste des Landes auf Grund lief. Der legendäre Entdecker tat sofort zwei Dinge: Er nahm das Land für Spanien in Anspruch und feuerte seinen Navigationsoffizier.

Ab 1507 begann mit den Conquista unter Alfonso Diaz für San Sombrèro eine Epoche, über die nicht viel Rühmliches zu berichten ist, aber falls Sie's dennoch interessiert, können Sie's ja nachlesen im Reiseführer.

In den nächsten Jahrzehnten erfuhr die Wirtschaft San Sombrèros einen beachtlichen Aufschwung und die Bevölkerungszahl der indigenen Bewohner einen rapiden Rückgang, was vor allem auf die Einführung prekärer Lebens- und Arbeitsverhältnisse (Sklaverei) zurückzuführen war. Der Bergbau florierte, und San Sombrèro entwickelte sich zu einem der führenden Exportländer für tropische Agrarerzeugnisse.

Es wurde jedoch zunehmend schwierig, diese Ausfuhrprodukte sicher außer Landes zu bringen, weil die Piraterie zunahm und italienische, englische, holländische und portugiesische Seeräuber die umliegenden Meere unsicher machten. Irgendwann kreuzten so viele Piraten vor der Küste, dass sich eine ganze Industrie zur Herstellung von Augenklappen entwickelte.

© Working Dog

Versuche, die frühen Siedlungen mit stark befestigten Burgen zu verteidigen, zeigten nur begrenzt Erfolg, was auch daran lag, dass die Kanonen teilweise lediglich zur Dekoration dienten.

Entdecker, Eroberer und Piraten waren nicht nur für die bevölkerungspolitische Entwicklung San Sombrèros relevant. Sie haben tiefe Spuren in der Kultur San Sombrèros hinterlassen und so in vielerlei Hinsicht der heutigen Tourismusindustrie den Weg geebnet.

Viele der alten Traditionen sind bedauerlicherweise inzwischen in Vergessenheit geraten, und auch die Sklaverei ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen - längst abgeschafft: In den Bergwerken schuften inzwischen fast ausschließlich europäische Rucksacktouristen, die in Zahlungsnot geraten sind.

© Michèle Burch

Die offizielle Nationalflagge des heutigen San Sombrèros. Sie wird Camouflagio genannt.

 

Endlich unabhängig

Trotz aller Versuche Spaniens, die Unabhängigkeitsbewegung zu unterdrücken, war es gegen Ende des 19. Jahrhunderts offensichtlich, dass die Tage fremder Herrschaft gezählt waren.

1892 versammelten sich bei einer riesigen Kundgebung am Strand von Cucaracha City 120.000 Demonstranten, die freie Meinungsäußerung, allgemeines Wahlrecht und Eigentum für alle forderten. Nachdem sie mehrere Stunden getrunken und gegessen hatten, setzten sie noch öffentliche Toiletten auf die Liste ihrer Forderungen. Auf der Kundgebung sprach der einheimische Schriftsteller Ingo Cadiz, der beschloss, die Menge mit der Lesung eines seiner langatmigen Gedichte aufzurütteln. Der Vortrag zeigte den gewünschten Effekt: Die Menge verbündete sich gegen Cadiz und warf ihn ins Hafenbecken. Dann liefen die aufgehetzten Demonstranten zum Regierungsgebäude, überrannten die inzwischen geschwächten Verteidigungsposten und übernahmen das Kommando.

Um 4.30 Uhr am 8. September wurde die spanische Flagge heruntergerissen und durch ein fleckiges, rotweiß kariertes Tischtuch ersetzt, die Übergangsflagge San Sombrèros, das endlich eine unabhängige Nation war!

Über die gegenwärtigen politischen Verhältnisse San Sombrèros informiert Sie zuverlässig der Reiseführer. Dort finden Sie auch nützliche Tipps für den Umgang mit den sansombrèrischen Sicherheitskräften und ein Verzeichnis der wichtigsten Gefängnisse des Landes.

Textauszug aus San Sombrèro - Karibik, Karneval und Kakerlaken, Heyne Verlag